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Wissen für den Einstieg in Circular Economy
Glossar: Begriffe für zirkuläre Produktentwicklung verständlich erklärt
Die Circular Economy bringt neue Begriffe, Denkweisen und Gestaltungsprinzipien mit sich. Dieses Glossar schafft Orientierung und erklärt zentrale Konzepte rund um Zirkularität, Ressourceneffizienz, Produktentwicklung, Daten und Geschäftsmodelle. Ziel ist es, ein gemeinsames Verständnis zu schaffen, damit Unternehmen zirkuläre Ansätze nicht nur kennen, sondern im Engineering und in der Praxis gezielt umsetzen können.
Cradle-to-Cradle (C2C)
Cradle to Cradle (C2C) ist ein nachhaltiges Design- und Wirtschaftskonzept, bei dem Produkte so entwickelt werden, dass alle Materialien nach der Nutzung entweder vollständig in biologische Kreisläufe zurückkehren oder als technische Rohstoffe endlos wiederverwendet werden können. Es orientiert sich an natürlichen Kreisläufen ohne Abfall. Das Ziel ist, von Anfang an positive ökologische und soziale Auswirkungen zu schaffen. Dabei stehen Materialgesundheit, Wiederverwendbarkeit, erneuerbare Energien und soziale Verantwortung im Mittelpunkt.
Digitaler Produktpass
Ein Digitaler Produktpass (DPP) ist ein digital gespeichertes Informationspaket, das alle relevanten Daten zu einem Produkt enthält – etwa Herkunft, Materialien, Reparaturmöglichkeiten und Recyclinghinweise. Er ermöglicht Transparenz über den gesamten Lebenszyklus eines Produkts. Ziel ist es, Kreislaufwirtschaft, Nachhaltigkeit und effiziente Ressourcennutzung zu fördern. Der DPP erleichtert zudem Reparatur, Wiederverwendung und fachgerechtes Recycling.
Digitaler Zwilling
Ein Digitaler Zwilling ist ein virtuelles Abbild eines realen Produkts, Prozesses oder Systems. Er ermöglicht es, Verhalten, Zustand und Leistung des physischen Gegenstands in Echtzeit zu überwachen und zu analysieren. Durch Simulationen können Entwicklungen, Optimierungen und Fehlererkennungen risikofrei durchgeführt werden. Ziel ist eine effizientere Planung, Steuerung und Wartung.
Environmental Product Declaration (EPD)
Eine Environmental Product Declaration (EPD) bzw. Umwelt-Produktdeklaration ist ein standardisiertes Dokument, das die Umweltwirkungen eines Produkts über dessen gesamten Lebenszyklus transparent darstellt. Sie enthält unter anderem Informationen zu Ressourcenverbrauch, Energieeinsatz, Emissionen und Entsorgung. Die Daten basieren auf einer Ökobilanz und werden nach internationalen Normen erstellt und geprüft. Ziel ist es, die Vergleichbarkeit von Produkten zu verbessern und nachhaltige Planungs- bzw. Beschaffungsentscheidungen zu unterstützen.
Kreislaufwirtschaft / zirkuläres Wirtschaften / Circular Economy
Kreislaufwirtschaft, auch zirkuläres Wirtschaften oder Circular Economy, ist ein Wirtschaftsmodell, das Ressourcen möglichst lange im Nutzungskreislauf hält und Abfall weitgehend vermeidet. Produkte und Materialien werden repariert, wiederverwendet, aufgearbeitet oder recycelt, statt entsorgt zu werden. Ziel ist es, den Ressourcenverbrauch zu minimieren und ökologische sowie ökonomische Nachhaltigkeit zu fördern. Dabei steht der gesamte Lebenszyklus eines Produkts im Fokus.
Lebenszyklusphasen
Lebenszyklusphasen beschreiben die einzelnen Schritte, die ein Produkt von der Entwicklung über die Nutzung bis zum Ende seiner Lebensdauer durchläuft. Dazu gehören typischerweise Rohstoffgewinnung, Produktion, Distribution, Nutzung und Verwertung oder Entsorgung. Sie ermöglichen eine ganzheitliche Betrachtung der Umweltauswirkungen eines Produkts. Ziel ist es, Optimierungspotenziale entlang des gesamten Lebenszyklus zu erkennen.
Lieferkettengesetz
Das Lieferkettengesetz ist ein deutsches Gesetz, das Unternehmen verpflichtet, menschenrechtliche und umweltbezogene Sorgfaltspflichten entlang ihrer gesamten Lieferkette einzuhalten. Es verlangt, Risiken wie Kinderarbeit, Ausbeutung oder Umweltschäden systematisch zu erkennen, zu vermeiden und zu minimieren. Unternehmen müssen darüber hinaus Beschwerdemechanismen einrichten und regelmäßig berichten. Ziel ist die Stärkung globaler Menschenrechte und nachhaltiger Wirtschaftsstrukturen.
Life-Cycle-Assessment (LCA) / Ökobilanz
Ein Life-Cycle-Assessment (LCA), auch Ökobilanz genannt, ist eine systematische Methode zur Bewertung der Umweltwirkungen eines Produkts über seinen gesamten Lebenszyklus hinweg. Dabei werden alle Phasen von der Rohstoffgewinnung über Produktion und Nutzung bis zur Entsorgung betrachtet. Das Verfahren analysiert unter anderem Energieverbrauch, Emissionen und Ressourcenbedarf. Ziel ist es, umweltrelevante Hotspots zu identifizieren und nachhaltigere Entscheidungen zu unterstützen.
Linearwirtschaft
Linearwirtschaft ist ein Wirtschaftsmodell, bei dem Produkte nach dem Prinzip „Take – Make – Waste“ hergestellt, genutzt und anschließend entsorgt werden. Ressourcen werden einmalig verbraucht, ohne dass eine Rückführung in den Kreislauf vorgesehen ist. Dieses Modell führt zu hohem Ressourcenverbrauch und großen Abfallmengen. Es steht im Gegensatz zur Kreislaufwirtschaft, die auf Wiederverwendung und Recycling ausgerichtet ist.
Materialkreisläufe
Materialkreisläufe beschreiben den geschlossenen Umlauf von Materialien, bei dem Ressourcen nach ihrer Nutzung wieder in den Produktionsprozess zurückgeführt werden. Ziel ist es, Abfälle zu vermeiden und Rohstoffe möglichst lange im System zu halten. Je nach Art können biologische Kreisläufe (kompostierbare Materialien) und technische Kreisläufe (wiederverwendbare oder recycelbare Materialien) unterschieden werden. Materialkreisläufe sind ein zentrales Prinzip der Kreislaufwirtschaft.
Modularität / Modulares Design
Modularität bzw. modulares Design bezeichnet die Gestaltung von Produkten aus standardisierten, austauschbaren Bauteilen. Dadurch lassen sich einzelne Module leicht reparieren, ersetzen oder erweitern. Dies erhöht die Lebensdauer eines Produkts und reduziert Ressourcenverbrauch sowie Abfall. Modulares Design erleichtert zudem individuelle Anpassungen und Upgrades.
Ökodesign / Ecodesign
Ökodesign ist ein Gestaltungsansatz, bei dem Produkte von Anfang an unter Berücksichtigung ökologischer Aspekte entwickelt werden. Ziel ist es, Umweltbelastungen über den gesamten Lebenszyklus zu minimieren, etwa durch Ressourcenschonung, Energieeffizienz und Recyclingfähigkeit. Es umfasst sowohl Materialwahl als auch Produktionsprozesse und Nutzungsphase. Ökodesign fördert nachhaltige Produkte und unterstützt die Kreislaufwirtschaft.
Ökodesignverordnung
Die Ökodesignverordnung ist eine EU-Regelung, die Mindestanforderungen an die Energieeffizienz und Umweltverträglichkeit von Produkten festlegt. Sie zielt darauf ab, den Energieverbrauch und andere negative Umweltauswirkungen während des gesamten Lebenszyklus zu reduzieren. Hersteller müssen ihre Produkte so gestalten, dass sie energieeffizient, langlebig und reparierbar sind. Die Verordnung unterstützt die Umsetzung nachhaltiger Produktion und Kreislaufwirtschaft.
Primärrohstoff
Primärrohstoffe sind natürliche Ressourcen, die direkt aus der Umwelt gewonnen werden, wie etwa Erze, Holz, Öl oder Mineralien. Sie dienen als Ausgangsmaterial für die Herstellung von Produkten und Industriegütern. Die Gewinnung erfordert meist Abbau oder Anbau und kann ökologische Auswirkungen haben. Primärrohstoffe stehen im Gegensatz zu Sekundärrohstoffen, die aus Recyclingprozessen stammen.
Product Carbon Footprint / CO2-Fußabdruck
Der Product Carbon Footprint (CO₂-Fußabdruck) misst die Menge an Treibhausgasen, die während des gesamten Lebenszyklus eines Produkts verursacht werden. Dazu zählen Herstellung, Transport, Nutzung und Entsorgung. Er dient dazu, die Klimawirkung eines Produkts transparent zu machen. Ziel ist es, Emissionen zu reduzieren und klimafreundliche Entscheidungen zu fördern.
Produktdesign
Produktdesign ist der kreative und funktionale Gestaltungsprozess eines Produkts, bei dem Form, Funktion, Material und Benutzerfreundlichkeit berücksichtigt werden. Es verbindet ästhetische, technische und ergonomische Aspekte, um ein nutzerfreundliches und marktfähiges Produkt zu schaffen. Dabei werden auch ökologische und ökonomische Faktoren zunehmend einbezogen. Ziel ist es, Produkte zu entwickeln, die sowohl praktisch als auch ansprechend und nachhaltig sind.
Produktlebenszyklus
Der Produktlebenszyklus beschreibt alle Phasen, die ein Produkt von der Entwicklung über Markteinführung, Nutzung bis hin zu Entsorgung oder Recycling durchläuft. Er umfasst Planung, Produktion, Vertrieb, Nutzung und Rückführung oder Verwertung. Die Analyse des Lebenszyklus hilft, Umweltauswirkungen und Kosten zu bewerten. Ziel ist es, Produkte effizienter, nachhaltiger und langlebiger zu gestalten.
Produt-as-a-Service (PaaS)
Product-as-a-Service (PaaS) ist ein Geschäftsmodell, bei dem Kunden ein Produkt nicht kaufen, sondern als Dienstleistung nutzen. Das Unternehmen bleibt Eigentümer des Produkts und übernimmt Wartung, Updates oder Recycling. Dieses Modell fördert Ressourceneffizienz und verlängert die Lebensdauer von Produkten. Ziel ist es, Nachhaltigkeit zu steigern und Nutzungsorientierung statt Besitz in den Vordergrund zu stellen.
R-Strategien
R-Strategien sind Ansätze der Kreislaufwirtschaft, die darauf abzielen, Materialien am Ende ihrer Nutzung wieder in den Produktionskreislauf zurückzuführen. Sie werden nach Priorität geordnet, z. B. Reduce (Reduzieren), Reuse (Wiederverwenden), Recycle (Recyceln). Ziel ist es, Abfall zu minimieren und Ressourcen effizient zu nutzen. Durch die Anwendung von R-Strategien werden Umweltbelastungen verringert und die Nachhaltigkeit erhöht.
R0 – Refuse
Vermeidung von unnötigem Material- oder Produktverbrauch bereits beim Kauf oder der Produktion.
R1 – Rethink
Überdenken von Produktdesign, Nutzung oder Geschäftsmodellen, um nachhaltiger zu agieren.
R2 – Reduce
Reduzierung von Materialeinsatz, Energieverbrauch und Abfall bei Produktion und Nutzung.
R3 – Reuse
Wiederverwendung eines Produkts oder Bauteils ohne wesentliche Veränderung.
R4 – Repair
Reparatur defekter Produkte, um ihre Nutzungsdauer zu verlängern.
R5 – Refurbish
Aufarbeitung und Instandsetzung von Produkten, sodass sie fast wie neu funktionieren.
R6 – Remanufacture
Wiederherstellung eines Produkts auf den Originalstandard, oft mit Austausch einzelner Komponenten.
R7 – Repurpose
Umnutzung eines Produkts oder Materials für einen neuen Zweck.
R8 – Recycle
Aufbereitung von Materialien, um sie als Rohstoff für neue Produkte zu verwenden.
R9 – Recover
Rückgewinnung von Energie oder Materialien aus Abfällen, die nicht wiederverwendet oder recycelt werden können.
Ressourceneffizienz
Ressourceneffizienz bezeichnet den effizienten Einsatz von Rohstoffen, Energie und Wasser bei Produktion und Nutzung von Produkten. Ziel ist, mit möglichst geringem Ressourceneinsatz den maximalen Nutzen zu erzielen. Sie reduziert Kosten, Abfälle und Umweltbelastungen. Ressourceneffizienz ist ein zentraler Bestandteil nachhaltiger Wirtschafts- und Produktionsprozesse.
Reverse Logistic / Rückführungslogistik
Reverse Logistics oder Rückführungslogistik beschreibt die Planung, Steuerung und Abwicklung von Warenströmen in entgegengesetzter Richtung zur klassischen Lieferkette. Ziel ist es, gebrauchte Produkte, Verpackungen oder Materialien zurückzuführen, um Wiederverwendung, Reparatur oder Recycling zu ermöglichen. Sie trägt zur Reduzierung von Abfall und zur Ressourcenschonung bei. Reverse Logistics ist ein zentraler Bestandteil der Kreislaufwirtschaft.
Rezyklat
Ein Rezyklat ist ein Material, das aus gebrauchten Produkten oder Abfällen zurückgewonnen und aufbereitet wurde, um erneut als Rohstoff verwendet zu werden. Es kann aus Kunststoff, Metall, Glas oder Papier bestehen. Die Nutzung von Rezyklaten reduziert den Bedarf an Primärrohstoffen und schont natürliche Ressourcen. Rezyklate sind ein zentrales Element der Kreislaufwirtschaft und nachhaltigen Produktion.
Second Life
Second Life bezeichnet die Wiederverwendung eines Produkts nach seiner ursprünglichen Nutzung in einem neuen Kontext oder für einen neuen Zweck. Ziel ist es, die Lebensdauer von Produkten zu verlängern und Abfall zu reduzieren. Typische Beispiele sind Gebrauchtwaren, aufbereitete Elektronik oder wiederverwendete Bauteile. Second Life ist ein wichtiger Ansatz der Kreislaufwirtschaft und Ressourcenschonung.
Sekundärrohstoff
Sekundärrohstoffe sind Materialien, die aus bereits genutzten Produkten oder Abfällen zurückgewonnen und wiederverwendet werden. Sie reduzieren den Bedarf an Primärrohstoffen und schonen natürliche Ressourcen. Typische Beispiele sind Recyclingmetalle, Papier oder Kunststoffgranulate. Die Nutzung von Sekundärrohstoffen ist ein zentrales Element der Kreislaufwirtschaft.