Systems Engineering für OWL

Die Produktentstehung intelligenter technischer Systeme ist aufgrund steigender Komplexität, Interdisziplinarität und kürzer werdenden Entwicklungszeiten eine Herausforderung. Mit Systems Engineering (SE) können Unternehmen diese Herausforderungen gewinnbringend bewältigen. Eine unternehmensweite Integration und Verbreitung findet noch nicht statt. Dies liegt unter anderem an den meist technisch motivierten Lösungen. Es mangelt an individueller und organisatorischer Akzeptanz. Mittelständische Unternehmen aus der Region OWL haben das Potential für Systems Engineering erkannt und gehen in die unternehmensweite Verankerung über. Gesamtziel des Vorhabens SE4OWL war es ein Instrumentarium zur unternehmensweiten Einführung und Verstetigung von Systems Engineering im Mittelstand zu entwickeln. Dieses Ziel adressierte dabei vier Handlungsfelder: - Stakeholder-gerechte Methoden- und Werkzeuganpassungen - ITS-gerechte Engineering-Strukturen - Individuelle und organisatorische Akzeptanz sowie den - OWL-gerechten Transfer. Zur Erreichung des Gesamtziels arbeiteten die Anwenderunternehmen in enger Kooperation mit Fraunhofer IEM, UNITY und TwoPillars zusammen. Sie arbeiteten an skalierbaren Methoden und Werkzeugen, der bedarfsgerechten Organisations- und IT-Infrastrukturgestaltung, der Stakeholder-Motivation und Kommunikation, an der Integration und Verbreitung im Unternehmen. Alle Ergebnisse wurden stetig in den Anwenderunternehmen pilotiert. Ein Transfer in den Mittelstand erfolgt über einen unternehmensneutralen Demonstrator, durch Workshops mit KMUs sowie der aktiven Förderung des Austausches im Rahmen der Fachgruppe Systems Engineering. Damit wurde während der Projektlaufzeit eine Verwertbarkeit und der Übertrag auf Dritte adressiert.

Fraunhofer-Institut für Entwurfstechnik Mechatronik IEM

Daria Wilke

Daria Wilke

Wissenschaftliche Mitarbeiterin

Details

SE4OWL

€3,180,000.00

Ministerium für Wirtschaft, Industrie, Klimaschutz und Energie des Landes Nordrhein-Westfalen

it's OWL

Problem

Systems Engineering als Herausforderung für kleine und mittlere Unternehmen

Wer komplexe technische Systeme künftig erfolgreich auf den Markt bringen möchte, benötigt den Überblick über die vielfältigen Zusammenhänge in seinem Entwicklungsprojekt. Der Ansatz Systems Engineering (SE) bietet ein ganzes Bündel aus Methoden und Werkzeugen, um sich dieser Herausforderung zu stellen. „Um die Entwicklung erfolgreich zu gestalten, müssen Unternehmen Systems Engineering in ihrer gesamten Organisation einführen. Insellösungen haben zwar Pioniercharakter und sind gerade zu Beginn wichtig. SE ist aber ein Ansatz, der erst im Zusammenspiel aller Abteilungen richtig zum Fliegen kommt“, sagt Kai Korthals, Head of Digital Product Engineering bei CLAAS. Das Unternehmen aus Harsewinkel arbeitet seit 2015 mit Systems Engineering an der Landtechnik der Zukunft und befindet sich bereits in der unternehmensweiten Einführung. Zusammen mit Miele und HARTING Applied Technologies bringt CLAAS nun die Industrie-Perspektive in das Forschungsprojekt SE4OWL ein.

Kleine und mittlere Unternehmen haben es nicht so leicht. Über Pilotprojekte hinausgehen und Systems Engineering langfristig im gesamten Betrieb einsetzen – das bedeutet einen organisatorischen und kulturellen Wandel. Wo selbst in Großunternehmen viel Pionier- und Überzeugungsarbeit geleistet wird, haben es mittelständische Betriebe oft noch schwererer. „Im Tagesgeschäft ist es nicht so einfach, ausreichend Kapazitäten bereitzustellen, um SE umfangreich fürs ganze Unternehmen zu betrachten und dann strategisch einzuführen“, schildert Dr. Volker Franke, Geschäftsführer HARTING Applied Technologies, die Herausforderung des mittelständischen Betriebes.

Ziel und Ansatz

Ganzheitliche Verankerung von Systems Engineering in kleinen und mittleren Unternehmen

Künftig sollen auch kleine und mittlere Unternehmen SE langfristig und ganzheitlich in der eigenen Organisation verankern. Für die neue Förderung des Themenfeldes Systems Engineering strukturierte das Projekt SE4OWL deshalb bisherige Ergebnisse und Erfahrungen und bereitete sie wissenschaftlich auf. Industrieunternehmen erarbeiteten – unterstützt durch die methodische Expertise des Fraunhofer IEM und der Unity AG sowie durch den SE-Toolanbieter Two Pillars – ein Instrumentarium mit Leitfäden für die ganzheitliche Gestaltung von Systems Engineering in der Organisation. Dabei betrachteten sie die folgenden Bereiche.

  • Passgenauer Einsatz von Methoden und Werkzeugen: Entwicklungsmethoden und Werkzeuge sollten immer an Bedürfnissen und Arbeitswelten ihrer Anwender ausgerichtet werden.

  • Organisation und IT für interdisziplinäre Zusammenarbeit: Unternehmen sollten sowohl ihre Organisation als auch die benötigten IT-Systeme überdenken und neu strukturieren – mit Blick auf individuell gewachsene Strukturen und aktuelle Herausforderungen.

  • Kultur und Qualifikation für eine breite Akzeptanz von SE: Systems Engineering erfordert Veränderungen in Organisation, Arbeitsprozessen und -inhalten und in der Belegschaft, die von Beginn an in den Prozess eingebunden werden sollte.

  • SE-Demonstrator: Die Projektergebnisse wurden anhand eines fiktiven Unternehmens verdeutlicht und überprüft – hier übernahmen die Industriepartner den wichtigen Praxischeck.

Ergebnisse und Werte

Praktische Unterstützung und Zusammenarbeit für Betriebe im Bereich Systems Engineering

Betriebe profitieren von SE4OWL künftig in Form von Leitfäden und Methoden, erhalten durch den SE-Demonstrator praktische Umsetzungstipps und tauschen Erfahrungen in der Fachgruppe Systems Engineering aus. Auch eine konkrete Zusammenarbeit mit den Forschungseinrichtungen des Technologienetzwerks it’s OWL über mehrere Monate ist möglich, in der Raum für individuelle Fragestellungen ist. Ergebnisse aus dem Projekt finden Interessierte künftig auch auf SElive:  www.selive.de 

Beteiligte Partner

Harsewinkel, Germany

1936

CLAAS KGaA mbH

Espelkamp, Germany

HARTING Technologiegruppe

Gütersloh, Germany

1899

Miele & Cie. KG

Paderborn, Germany

2018

Two Pillars GmbH

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